Das Recht auf Faulheit!

Paul Lafargue, ein Schwiegersohn von Karl Marx verfasste die Streitschrift "Das Recht auf Faulheit". Ein hochinteressanter Essay, der leider nahezu vergessen ist. Gotthold Ephraim Lessing schrieb: Lasst uns faul in allen Sachen, nur nicht faul zu Lieb' und Wein, nur nicht faul zur Faulheit sein. Bei mir können Sie erfahren, wie Sie zufrieden ohne Arbeit werden können, ohne dabei faul sein zu müssen.

Im 19. Jahrhundert postulierte ein Schwiegersohn von Karl Marx, der nahezu völlig vergessene Arbeiterführer Paul Lafargue  seine Streitschrift  Das Recht auf Faulheit. Er war nicht nur Schwiegersohn von Marx, sondern erhielt von diesem auch seine politische Schulung. In seinen Persönlichen Erinnerungen an Karl Marx schreibt er: „Jahre hindurch begleitete ich ihn auf seinen abendlichen Spaziergängen nach Hampstead Heath; bei diesen Gängen durch die Wiesen erhielt ich durch ihn meine ökonomische Erziehung. Ohne es selbst zu bemerken, entwickelte er vor mir den Inhalt des ganzen ersten Bandes des »Kapital«, nach und nach, in dem Maße, wie er ihn damals schrieb ... Es war, als zerrisse ein Schleier vor meinen Augen; zum ersten Mal empfand ich klar die Logik der Weltgeschichte und konnte die dem Anschein nach so widerspruchsvollen Erscheinungen der Entwicklung der Gesellschaft und der Ideen auf ihre materiellen Ursachen zurückführen. Ich war davon wie geblendet, und jahrelang blieb mir dieser Eindruck.“ 

In seiner Streitschrift schreibt Paul Lafargue:

„O Faulheit, erbarme du dich des unendlichen Elends! O Faulheit, Mutter der Künste und der edlen Tugenden, sei du der Balsam für die Schmerzen der Menschheit!“ Er selber und seine interessante Schrift sind nahezu vergessen. Er schreibt: „Eine seltsame Sucht beherrscht die Arbeiterklasse aller Länder, in denen die kapitalistische Zivilisation herrscht. Diese Sucht, die Einzel- und Massenelend zur Folge hat, quält die traurige Menschheit seit zwei Jahrhunderten. Diese Sucht ist die Liebe zur Arbeit, die rasende Arbeitssucht, getrieben bis zur Erschöpfung der Lebensenergie des Einzelnen und seiner Nachkommen. Statt gegen diese geistige Verirrung anzukämpfen, haben die Priester, die Ökonomen und die Moralisten die Arbeit heilig gesprochen. Blinde und beschränkte Menschen, haben sie weiser sein wollen als ihr Gott; schwache und unwürdige Geschöpfe, haben sie das, was ihr Gott verworfen hat, wiederum zu Ehren zu bringen gesucht. Ich, der ich weder Christ, noch Ökonom, noch Moralist bin, ich appelliere von ihrem Spruch an den ihres Gottes, von den Vorschriften ihrer religiösen, ökonomischen oder freidenkerischen Moral an die schauerlichen Folgen der Arbeit in der kapitalistischen Gesellschaft.“ Paul Lafargue, der Atheist, bezieht sich auf die Bibel, sowohl auf das Alte wie auf das Neue Testament. So schreibt er: „Jehova, der bärtige und sauertöpfische Gott, gibt seinen Verehrern das erhabenste Beispiel idealer Faulheit: nach sechs Tagen Arbeit ruht er auf alle Ewigkeit aus.“ 

Missionarisch erklärt er:

„In der kapitalistischen Gesellschaft ist die Arbeit die Ursache des geistigen Verkommens und körperlicher Verunstaltung. Man vergleiche die von einem menschlichen Dienerpack bedienten Vollblutpferde in den Ställen eines Rothschild mit den schwerfälligen normannischen Gäulen, welche das Land beackern, den Mistwagen ziehen und die Ernte einfahren. Man betrachte den edlen Wilden, wenn ihn die Missionare des Handels und die Vertreter in Glaubensartikeln noch nicht durch Christentum, Syphilis und das Dogma der Arbeit verdorben haben, und dann vergleiche man mit ihm unsere elenden Maschinensklaven.“

Lafargue erkennt, dass die immer besseren erfundenen Maschinen die Menschen nicht befreien, sondern noch mehr an die Kette der Arbeit legen: „Ach! Die Zeit der Muße, die der heidnische Dichter verkündete, ist nicht gekommen; die blinde, perverse und mörderische Arbeitssucht hat die Maschine aus einem Befreiungsinstrument in ein Instrument zur Knechtung freier Menschen umgewandelt: die Produktionskraft der Maschine verarmt die Menschen.“ Und weiter: „Das Vorurteil der Sklaverei beherrschte den Geist von Aristoteles und Pythagoras“, hat man verächtlich geschrieben, und doch sah Aristoteles voraus: „Wenn jedes Werkzeug auf Befehl oder auch vorausahnend das ihm zukommende Werk verrichten könnte, wie des Dädalus' Meisterwerke sich von selbst bewegten, oder die Dreifüße des Hephaistos aus eigenem Antrieb an die heilige Arbeit gingen, wenn so die Webschiffchen von selbst webten, dann bräuchte der Werkmeister keinen Gehilfen, die Herren keine Sklaven. Der Traum des Aristoteles ist heute Wirklichkeit geworden. Unsere Maschinen verrichten feurigen Atems, mit stählernen, unermüdlichen Gliedern, mit wunderbarer, unerschöpflicher Zeugungskraft, gelehrig von selbst ihre heilige Arbeit; und doch bleibt der Geist der großen Philosophen des Kapitalismus beherrscht vom Vorurteil des Lohnsystems, der schlimmsten Sklaverei. Sie begreifen noch nicht, dass die Maschine der Erlöser der Menschheit ist, der Gott, der den Menschen von den sordidae artes, den schmutzigen Künsten und der Lohnarbeit loskaufen, der Gott, der ihnen Muße und Freiheit bringen wird.“ 

Bei „Herrenpartien“ am Himmelfahrtstag wurde sehr gerne folgendes Lied in den 50iger Jahren des 20. Jahrhunderts gesungen:

„Solange der Bauch in die Weste passt, wird keine Arbeit angefasst!“

Arbeitet nie! war eines der Mottos, die Situationisten 1968 in Paris an Wände sprühten. Damals war der Traum von weniger Arbeit aber keineswegs radikal. Noch in den sechziger Jahren wurde mit Fortschritt die ihn damals legitimierende Idee verbunden, dass Technologie den Menschen in der Zukunft viel mehr Freizeit erlauben würde. In unserer Zeit ist somit die Arbeit vergöttert worden. Sie stellt den Sinn des Daseins dar. Die Arbeit wird am höchsten bewertet. Nicht die Liebe ist am wertvollsten. Der Amateur – von amare abgeleitet – der Liebhaber ist wertlos gegen den Profi.  Wie können wir aus dieser Struktur einen Ausweg finden? Wie können wir uns der Bergpredigt annähern? „Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. (…) Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.“

Wollen Sie mehr erfahren? 

Besuchen Sie mein Seminar „Glücklich ohne Arbeit“ am 7. März 2015 in Wiesbaden.

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Kommentare: 2
  • #1

    Madox (Dienstag, 03 Februar 2015 09:06)

    Klasse!!!!!

  • #2

    H. Kerner (Mittwoch, 11 Februar 2015 12:00)

    Sie sprechen mir aus der Seele. Die Verherrlichung der Arbeit und der Leistung ist so destruktiv und eines der Übel unserer Kultur. Ohne Regenration, Pause und Ruhe werden wir schwerst krank.